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#3 "Warum fotografierst du analog?"

Dieser Frage begegne ich in letzter Zeit immer häufiger. Eine vermeintlich einfache Frage, auf die es gar nicht so einfach ist zu Antworten.

In einer Zeit in der jeder dank seines Smartphones jederzeit eine Kamera in der Hosentasche trägt und die Möglichkeit hat diese Bilder in Sekundenschnelle bei Facebook, Instagram und Co. zu veröffentlichen, ist diese Frage auch nicht ganz unberechtigt. 

Schließlich kann man ein Foto, das analog fotografiert wurde nicht direkt sehen. Der Film muss erst komplett belichtet werden (und es kann manchmal echt lange dauern, bis man 12 oder 36 Bilder fotografiert hat :-D). Und wenn der Film komplett belichtet ist, muss man die Bilder erst noch entwickeln bzw. entwickeln lassen. So kann es auch mal zwei Wochen oder länger dauern, bis man sein fertiges Bild in den Händen halten kann. 

 

Genau das ist meiner Meinung nach auch einer der spannenden Punkte der analogen Fotografie. Der Faktor Zeit. 

Man nimmt sich viel mehr Zeit für seine Bilder und fotografiert deutlich(!) bewusster. Die Art zu fotografieren ist für mich das Besondere.  Dazu kommt der Look von Fotos die auf Filmrollen belichtet wurden. Schwer zu beschreiben aber einfach ganz besonders! Und ganz zu schweigen von der Spannung, wenn man die Bilder abholt oder zugesandt bekommt.

- sind die Bilder scharf geworden?

- Ist die Belichtung richtig gewesen?

- Passt der Bildschnitt?

Viele Kleinigkeiten die eine irre Spannung erzeugen. Aber ich schweife gerade etwas ab. 

 

Warum also fotografiere ich nun so gerne analog? 

Es ist in meinem Fall ein Zusammenspiel aus vielen kleinen Dingen. Ich möchte gerne die Fotografie in ihrer reinen, ursprünglichen Form erleben. Mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera bin ich stets bemüht das Bild schon "so fertig wie möglich" aus der Kamera zu bekommen. Anschließend maximal ein paar kleine Korrekturen an der Belichtung oder den Kontrasten zu machen.  

 

Nachdem nun die Testphase auch so langsam vorbei ist, wird es Zeit die verschiedenen Kameras richtig zum Einsatz zu bringen. Deshalb möchte ich kommende freie Projekte nun öfter rein analog fotografieren.

Einige analoge und teils sehr alte (die älteste ist Baujahr 1936) Kameras wechselten im vergangenen Jahr in meinen Besitz. Einige Filme wurden "verschossen" und ich konnte die verschiedenen Kameras kennen lernen.

Minolta X700 (1980er)

Rolleicord (zwischen 1939-1949),

Rolleiflex SL66 (ca. 1966)

 

Rolleicord (1936)

"In the old Days, we took the Pictures that we saw."

"Früher haben wir die Bilder gemacht, die wir gesehen haben."

Eines Tages stolperte ich auf einem Hofflohmarkt über einen Bildband des Schweizer Fotografen Rene Burri. Die Bilder darin waren unglaublich fesselnd. Rene Burri portraitierte viele bekannte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Che Guevara, Fidel Castro, Picasso und viele weitere.

Einige bekannte Fotografien dieser Zeit stammen aus seiner Feder. Durch das Buch wurde ich erstmals auf ihn aufmerksam und begann mich intensiv mit seiner Arbeit zu befassen. 

 

In einem Video auf YouTube über ihn prägte sich ein Satz sehr tief bei mir ein. Es geht um die digitale Fotografie und die Möglichkeiten der Bildbearbeitung:

Back to the roots!

"In the old Days we took the Pictures, that we saw." Und weiter sagt er sinngemäß: er hofft, dass es wieder Fotografen geben wird, die die Welt so fotografieren, wie sie wirklich aussieht.

 

Das geht natürlich auch digital. Aber durch die analoge Fotografie ist es uns möglich, die Fotografie der "old Days" wieder aufleben zu lassen. Und die Fotografien der "old Days" werden immer etwas besonderes bleiben. Darum fotografiere ich (auch) analog. 

Mit der Rolleiflex SL66 "bewaffnet" in den österreicher Bergen

So blicke ich nun nach vorn und lasse euch noch ein paar erste Bilder aus der analogen Testphase zum anschauen da:

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